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Das Denkmal

Minuten Tage Jahre

 

Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit.

Wenn man vergisst, 

öffnet man die Türe zu einer Wiederholung.

Simon Wiesenthal

 

Der Wettbewerb

Anfang 2020 schrieb der Verein PULVERTURM einen Wettbewerb für das Denkmal aus. Zur Teilnahme eingeladen waren alle, die in einem Umkreis von 150 km leben. Pandemiebedingt wurde die Einreichfrist auf Ende August verlängert.

Am 13. September fand die Jurysitzung statt. 


Die Jurymitglieder von links nach rechts:
Oberrabiner Schlomo Hofmeister (per skype zugeschaltet), Moritz Gieselmann, Obmann des Vereins PULVERTURM, Fotografin  Elfie Semotan, Tanja Prusnik, Präsidentin des Wiener Künstlerhauses und Bürgermeister Reinhard Deutsch 

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Aus den 26 eingereichten Arbeiten wurden nach einer langen und fruchtbaren Diskussion das Siegerprojekt, sowie der zweite und dritte Preis gekürt. 

1. Platz: "Minuten Tage Jahre" von Jasmin Maria Trabichler

Begründung der Jury:  "Das Projekt "Minuten Tage Jahre" hat einen sehr zukunftsorientierten künstlerischen Zugang, die Menschen werden aktiv aufgefordert, in einen Dialog mit dem Kunstwerk zu treten. Die drei Ebenen: Der freie Blick, der verstellte und der gefilterte haben eine enge Beziehung zu dem, was hier geschehen ist:  Das Verbrechen, das Verdrängen, das Zurückholen, das Anerkennen der Geschichte dieses Platzes. Die ungewöhnliche Form erinnert nicht an andere Gedenkstätten und ist daher umso wirkungsvoller."

2. Platz: "Gedenkstätte Jennersdorf" von Michael Feyer

3. Platz: "Schem" von Johann Berger

 

 Der Entwurf für das Mahnmal zur Erinnerung an die Ermordung von 29 jüdischen Zwangsarbeitern am Aasplatz kurz vor Ende des 2. Weltkrieges besteht aus zwei Bildern, sowie einer in den Boden eingelassenen Texttafel, die, inklusive eines Lageplans der exakten Exhumierungspositionen, auf Deutsch, Englisch und Hebräisch auf das Verbrechen verweist, das sich im Areal direkt hinter dem Mahnmal ereignet hat.

Was man sieht, sind zwei Bilder , eines davon schwarz, innerhalb eines imaginären Rahmens, der sich zu einem tatsächlichen erweitert und so eine blaue, transparente Glasfläche einfasst - Filter, Umkehrbild, Kadrage. Beide weisen die Betrachterin auf den Ort des Geschehens, beide gemeinsam bilden eine Dualität. Das Schwarz links verweist auf ein Off, das sich dem Blick, aber auch einer Repräsentation entzieht. Die blaue Glasfläche rechts, gibt dagegen den Blick auf den Ort des Geschehens, an das erinnert werden soll, frei. Das Schwarzbild ist raumlos, es steht für etwas, das nicht zu sehen ist, das, was war - das bereits Eingetretene. Es verweist auf ein "Außerhalb" und wird in diesem Sinne lesbar gemacht.

Im Zusammenwirken von Gestalt, Position und Information zur Geschichte des Ortes, auf der davorliegenden, leicht erhöhten, im Boden liegenden Tafel, "verharrt" und "insistiert" das Schwarzbild gleichermaßen, wird somit explizit - und dadurch nicht verhandelbar. Die blaue Glasfläche zeigt dagegen den Tatort und verändert ihn zugleich. Die Farbigkeit nimmt Bezug auf "Tekhelet", ein ursprünglich aus der Purpurschnecke gewonnenes indigo-farbiges Färbemittel, dem im Judentum eine besondere Rolle zukommt. Der Anblick der Farbe soll an den blauen Himmel, an Gott im Himmel, erinnern und steht für die Hoffnung auf ein ewiges Leben. Die blaue Glasfläche fungiert als Filter, der sich mit dem dahinter liegenden Raum überlagert, ihn somit zeigt, wie er nicht ist, und dadurch eine andere Sichtbarkeit erzeugt. Dieser Filter kann als Vermittler einer Heterotopie betrachtet werden, also eines "anderen" Ortes, der in "bestehende Einrichtungen der Gesellschaft hineingezeichnet ist; eine Gegenplatzierung", in dem das Bild allerdings nicht zur Betrachterin zurückkehrt, sondern dieses als Erinnerungszeichen markiert, und so eine andere Bewusstseinseinheit, einen kontemplativen Raum erzeugt, in dem der Opfer der Geschehnisse vor Ort gedacht werden kann.


Der Titel benennt eine unbegrenzte zeitliche Abfolge, die sich sowohl an die Zukunft, als auch an die Vergangenheit richtet und anhand derer Fragen zur Zeitlichkeit und Verbindlichkeit von Erinnerungsräumen reflektiert werden.

                                                                                                                                                       Jasmin Maria Trabichler

 
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Realisierung

Die Kosten für das Projekt sind mit etwas mehr als                   € 40.000,-- kalkuliert.

Der Verein PULVERTURM ist dabei, Förderungen beim Land Burgenland, beim Nationalfonds und bei der Gemeinde Jennersdorf zu lukrieren. 

Diese Förderungen sollten den Großteil der Kosten decken. Um das Denkmal vollständig zu finanzieren, ist der Verein auch auf private Spenden angewiesen.

Der Verein PULVERTURM ist Partner der Kulturgutscheinaktion des Landes Burgenland. Kulturgutscheine können bei der Bezirkshauptmannschaft oder online unter www.burgenland.at/themen/kultur/kulturgutscheine erworben werden. Bei dieser Aktion wird der gespendete Beitrag vom Land um ein Drittel aufgestockt.

 
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